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Mord nach Rezept  
Columbologe
20.02.2018 08:03:44
 
Nun ist es also soweit: ein halbes Jahrhundert ist es her, dass die TV-Legende ihren Einstand gab. 50 Jahre "Prescription: Murder".
Dadurch dass Levinson & Link die Wirkung ihres Bühnenstücks vorab am Theater beobachten konnten, hatten sie Gelegenheit, das Fernsehdrehbuch bis zur Perfektion auszufeilen. Die geschliffenen Dialoge, die psychologische Weichkocherei des elitären Mörders, das Mienenspiel in den Gesichtern, und dass Columbo Dr. Flemming am Ende mit dessen eigener Psycho-Falle "Die Menschen sehen das was sie erwarten nach dem Prinzip der Assoziation" besiegen kann - hier stimmt einfach alles! Der Charakter des hinterlistigen Ermittlers und seine Methodik wird passenderweise direkt im ersten Film von einem Experten mit Menschenkenntnis analysiert und ausgesprochen.
Vielfach wird von Fans moniert, dass Columbo gegen Joan laut wird, was nicht zum Charakter passe. Doch das ist in dem Moment Berechnung und dringend nötig, um Joan zu schwächen, denn Columbo will ihr schließlich ein Geständnis entlocken. Die Fälle, in denen Columbo die Tricks der Mörder erkennt und gegen sie verwendet, waren auch später die besten. Danke, Richard Irving, dass er seinerzeit Levinson & Link dazu überreden konnte, den ihrer Meinung nach zu jungen Peter Falk den Detektiven spielen zu lassen. Wir sind uns alle einig: Ohne Peter Falk wäre Columbo nie geworden, was er ist.

Blumen des Bösen  
Columbologe
19.02.2018 18:37:34
 
Diese Folge ist charmant, gewitzt und clever. Weltstar Ray Milland eignet sich bestens für die Rolle eines arroganten Columbo-Widersachers. In der deutschen Erstsynchro wird deren Verbalduell auch erstklassig durch Klaus Schwarzkopf und Curt Ackermann vertont, also von denselben Stimmen wie schon zuvor in "Mord mit der linken Hand". In der "verlängerten", besser gesagt ungeschnittenen Neusynchro rumort Raubein Holger Hagen zwar etwas zu ungehobelt, aber dafür ist dort amüsant zu beobachten, wie der unerfahrene Sgt. Wilson sich siegessicher auf die falsche Spur führen lässt, ohne dass Columbo ihm wegen soviel Inkompetenz böse wird. Ein bisschen störend ist aber, dass ein Spezialist von der Mordkommission bei einem Entführungsfall mitmischt, bevor es (recht spät) zum eigentlichen Mord kommt. Sgt. Wilson bringt diese Ausgeburt der Unlogik sogar kurz zur Sprache, doch Columbo weicht der Frage aus. Die Antwort wäre wohl gewesen: Weil das Publikum sonst den halben Film lang auf das Erscheinen seines geliebten Peter Falk hätte warten müssen.

Tödliches Comeback  
Columbologe
19.02.2018 17:22:46
 
Ursula Vogel ist wahrlich nicht Janet Leigh, so dass im Deutschen die Performance der tragisch angelegten Rolle der Grace Wheeler Willis frequenzmäßig nicht den richtigen Ton trifft. Das kann dazu führen, dass zwischen Zuschauer und Film die "Chemie nicht stimmt". Claus Biederstaedt hingegen brummt und sänftelt sehr angenehm.
Beim zweiten Ansehen dieser ganz besonderen Folge, nachdem man weiß, dass die Mörderin an Gedächtnisschwund leidet, erkennt man viele Feinheiten, die beim ersten Sehen durchgerutscht sind. So hat z.B. die Mörderin schon in dem Moment, als sie mit dem Butler die Schlafzimmertür des Gatten aufbricht, ihre Schandtat vergessen. Ihre Augen verraten es in den Sekunden davor ganz deutlich. Die Folge, die im Original "Forgotten Lady" heißt, könnte also auch "Forgetting Lady" heißen. Höhepunkt der Episode sind die zwei fabelhaften letzten Dialoge, in denen Columbo mit Ned Diamond über Grace spricht. Das Ende ist - unüblich für Columbo - so rührend, dass man weinen könnte, und vor allem ist es einzigartig in der Serie, dass Columbo einen seiner Gegenspieler laufen lässt. (Lisa, die nur Komplizin in "Ein Toter in der Heizdecke" war, nicht mitgerechnet.)
Das Erzähltempo ist etwas schleichend, aber wenn man diese Folge, die ein gewisses Late-Night-Feeling versprüht, mit viel Muße an einem späten Abend schaut, kann sie Balsam für die Seele sein, auch für Musical-Hasser. Bei aller Dramatik ist noch Raum für köstliche Humor-Einlagen: die Füllszenen zum Thema "Columbo muss schießen üben" und der Showact "Columbo hängt im Baum". Auch Hund hat dabei einen sympathischen Auftritt.
Ich gebe 8 von 9 Punkten.

Ein Spatz in der Hand  
Columbologe
19.02.2018 16:59:18
 
Autor Jackson Gillis ist wieder mal dabei, die etablierte Columbo-Erfolgsformel zu variieren. Das hat er öfters gemacht, und nicht immer war es ein Volltreffer. In diesem Fall wollen zwei Killer unabhängig voneinander denselben Mann töten. Später wird einer der beiden Killer vom anderen umgebracht, und Columbo, der schon auf der richtigen Spur war, muss von vorne beginnen. Zwischendurch wird noch das alte Krimiklischee, dass der Mörder immer der Gärtner ist, abgewandelt: Hier ist der Gärtner ein weiteres Todesopfer. Dass der Zuschauer den ersten Mord an Big Fred nicht zu sehen kriegt, macht ja noch Sinn. Dass wir aber Dolores McCains zweiten Mord an Harold auch nicht sehen dürfen, raubt der Folge eine mögliche starke Szene und nimmt ihr etwas vom Potential weg. Dennoch: Hier geht's turbulent, originell und kurzweilig zu; es ist viel los, und ich gebe 7 von 9 Punkten.

Schwanengesang  
Columbologe
19.02.2018 16:49:43
 
@rekath16 Das Kreuzzugsgerede ist aber nötig, um den religiösen Fanatismus von Edna zu verdeutlichen, wegen welchem sie ihren Mann ausnimmt, und weshalb sie letztlich beseitigt wird, und um sie unsympathisch und den Mörder sympathisch zu machen. Die Synchro ist wirklich top, der Originalton aber auch.

Schlecht finde ich von den 69 Filmen nur 2, so dass bei meinen Top 5 von unten die Ränge 3-5 schon wieder von passablen, durchschnittlichen Folgen belegt werden.

Platz 69: Niemand stirbt zweimal (2/9)
Platz 68: Mord nach Takten (3/9)
Platz 67: Der alte Mann und der Tod (5/9)
Platz 66: Das Aschenpuzzle (5/9)
Platz 65: Tödliche Liebe (5/9)

Bei Gelegenheit werde ich es detailliert begründen :-)

Schwanengesang  
rekath16
19.02.2018 16:23:02
 
Ich bewerte die Folge mit 7/9.
Ich hatte so meine Probleme mit dem ganzen Kreuzzugsgerede. Johnny Cash spielt einen recht sympathischen Mörder. Die deutsche Synchro ist sehr gut. Ein bisschen tut er mir leid, Columbo hat sich wirklich in den Fall verbissen wie ein Wolf.
Trotzdem, und ich habe mir wirklich Mühe gegeben (die Folge 2mal gesehen), der Funke wollte nicht zu 100% überspringen.
@Columbologe: Welche Folgen sind denn deine Plätze 65 bis 69 (also die schlechtesten)?

Tödliches Comeback  
rekath16
19.02.2018 14:32:29
 
Ich war geneigt, den Film mit mangelhaft zu bewerten. Zum x-ten Male eine Diva, die hier auch wirklich nur mit größter Mühe zu ertragen ist.
Dann kam das Ende. Das hat mich ziemlich verblüfft und ich war positiv angetan. Mit flauem Bauchgefühl erinnert die Auflösung an Peter Falks eigenes Schicksal.
Eigentlich ist Ned Diamond der wahre Star der Folge. Selbstlos springt er für Grace in die Bresche. Sein Dialog mit Columbo ist äußerst sehenswert.
Trotzdem ist Tödliches Comeback zum größten Teil einfach unangenehm.
4/9

Ein Spatz in der Hand  
rekath16
19.02.2018 12:40:24
 
Das war damals als Kind meine erste Columbo-Folge. Grandiose Episode, tolle Idee, dem Mörder zuvorzukommen. Sehr gute Schauspieler. Schöne Aufklärung. Columbo ist gut aufgelegt.
9/9
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